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tabouret * nussblätter

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tabouret * nussblätter sep 17
Selten und immer noch überzeugend:
Drehklapptisch von Robert Haussmann 1957

Anfangs war auch Robert Haussmann (*1931) ein bedeutender Vertreter des Funktionalismus im schweizerischen Möbelbau. Später, in der kurzen Schwarmzeit der Postmoderne, wurde er mit Trix Haussmann (*1933) zu einem Überwinder des Funktionalismus. Beide segelten bisweilen bis hart an die Grenze zum Kitsch, was ihnen unter den Liebhabern des Modischen bis heute einen Willkommensplatz sichert.

Aus der tapferen Frühzeit des Entwerfers kann tabouret eine ikonische Arbeit anbieten, den sogenannten Drehklapptisch von 1957. Die mit Linoleum beidseitig beschichtete Platte ist dreigeteilt und mit vernickelten Scharnieren verbunden. Werden die „Flügel“ eingeklappt und die Platte auf dem Gestell um 90 Grad gedreht, wird aus dem Esstisch ein Arbeits- oder Beistelltisch. Fabelhaft! 
Masse: Höhe 72 cm, Esstisch 136 x 110 cm, Arbeitstisch 110 x 68 cm.
Nachweis in der Literatur: Rüegg Arthur: Schweizer Möbel und Interieurs im 20. Jahrhundert, Birkhäuser, S. 371
tabouret-Angebot: Drehklapptisch in ausgezeichnetem Erhaltungszustand CHF 2500.- (Lieferung incl.) 
Weitere Auskünfte hierzu gern und jederzeit.

tabouret * nussblätter mai 17
Der Tisch, der einen Knicks macht

"Möbeltradition der 50er Jahre lebt auf"  NZZdomizil / "So simpel wie genial"  Wohnrevue"Wie kam der Tisch zu seinem Namen?"  Hochparterre  / "Der Tisch, der einen Knicks macht"  Swisscom-style  / "Ein Tisch ist ein Tisch"  Schaffhauser Nachrichten  / "Zwei in eins. Gute Investition!"  Annabelle

Dieses vielfache Lob der Fachpresse galt 2009 der Reedition eines 50er-Jahre-Tisches, genannt HOBO. Heute kann tabouret anbieten:  das Vintage-Original aus den 50ern, den Urvater des HOBO, und wir sagen einmal mehr: Ein Wunderding an Einfallsreichtum und Understatement!

Der HOBO ist eine Ikone des Möbelbaus der 50er Jahre. Die Wohnungen der Nachkriegszeit waren bekanntlich klein, oft fehlte der Platz für Esstisch und einen weiteren Clubtisch. So schuf schweizerischer Erfindergeist das Verwandlungsmöbel. HOBO präsentiert sich wahlweise hoch und niedrig. Er ist ein Wohngenosse, der durch doppelten Gebrauchswert, technische Findigkeit und zugleich formale Klarheit erfreut.

Und nun ist er also als seltenes Original erhältlich. Seine Verwandlung zum Esstisch geschieht durch einfaches Anheben, seine Rückverwandlung durch Über-Kreuz-Legen der drei Tischbeine (Ein bebildertes Merkblatt liegt bei). Das Blatt (Durchmesser 95 cm) ist mit schwarzem Linoleum belegt. Umleimer in Esche, Beine Esche massiv mit Federbändern. Tischhöhe als Esstisch: 72 cm, als Clubtisch: 40 cm.  

HOBO, Doppeltisch Vintage
Produktion Girsberger um 1950, Designer unbekannt
Preis CHF 2500.- (Lieferung in der Schweiz wird angeboten)
zu einer Besichtigung sind Sie willkommen bei tabouret in 8248 Uhwiesen

tabouret * nussblätter mar 17
Gegen die Materialschlacht im Kinderzimmer   > das mitwachsende Kinderbett von Emil Guhl

Das Schweizerische Nationalmuseum hat es, und das Museum für Gestaltung in Zürich hat es auch. So ergibt sich für Sie, liebe nussblätter-Leser, die seltene Chance auf ein Museumsstück mit grossem Alltagsnutzen. Zugleich schliesst sich ein Kreis von Warenflut (und Überdruss daran) und Minimalismus in der Wohnungseinrichtung.
Denn lange bevor die Überseecontainer aus Ostasien ihre Warenlawine über uns ausgegossen haben, gabe es in der Wohnungseinrichtung bereits einen Minimalismus. Dieser war geboren aus der Materialknappheit der Kriegsjahre und aus dem Erfindungsreichtum von Dorfschreinern mit Bodenhaftung. Das unübertroffene Beispiel hierfür: das mitwachsende Kinderbett des Schreiners Emil Guhl aus Stein am Rhein.
Seine Wandelbarkeit ist verblüffend. Es beginnt als Bett für ein Kleinkind mit angebautem Korpus, welcher zugleich Wickeltisch ist. Das Bettgitter kann heruntergenommen werden und dient im Tagesbetrieb als Laufstall. Das Schulkind bekommt dann eine Matratzenverlängerung, das Gitter wird überflüssig, der Korpus dient als Nachtkasten (diese Variante ist hier nicht abgebildet).

Kinderbett von Emil Guhl (Entwurf 1945, im Vertrieb der Wohnhilfe)
Tanne, Buche, Matratze auf Wunsch dabei. Länge 130/185 cm, Breite 80 cm.
Zustand: komplett, ohne Mängel

tabouret * nussblätter jan 17
Antonio VITALI und andere    Verkaufsausstellung bei tabouret

 Antonio VITALI (1909-2008) war ein Spielzeugdesigner aus Zürich. Er schuf Holzspielzeug in unverkennbaren plastischen Formen, Arbeiten die längst Eingang in die Kunstwelt gefunden haben. Der Urimpuls des Vaters von vier Kindern aber war ein beschützender.
Frage: Herr Vitali, warum haben Ihre Spielzeuge solche runde, knuffige und reduzierte Formen?
Antonio Vitali: "Ein Spielzeug muss es ertragen können, dass es oft zu Boden fällt. Das spielende Kind wird enttäuscht und fühlt sich betrogen, wenn ihm seine Spielzeuge unter den Händen zerbrechen, wenn Teile abfallen und verloren gehen."*
Das Kind darf nicht betrogen werden. Es darf Vertrauen entwickeln in sein Spielzeug, in seine Familie, in die Welt. Das ist eine Botschaft, welche natürlich absolut quer steht in einer modernen Spielzeugwelt. Wo den Kindern Roboter-Puppen präsentiert werden, die online mit einem Server verbunden sind und "intelligente" und emotional stimmige Lautsprecherantworten geben.
Auch um diese Botschaft Vitalis nicht untergehen zu lassen, eröffnet tabouret eine Ausstellung mit VITALI-Arbeiten, ergänzt um einige weitere zeitgenössische Spielzeugproduzenten (Waldorf, Albisbrunn, Brio, Steiff, Bojesen). Probespielen ist erwünscht.
Eröffnung der Verkaufsausstellung am Samstag, 28. Januar, 14 - 17 Uhr im tabouret-Haus Mettliweg 3, 8248 Uhwiesen.
Weitere Besuche der Ausstellung (bis 25. Februar) gern und nach Anmeldung. (Uhwiesen liegt am Rheinfall, Fahrzeit von Zürich 40 Min.)

 *Vitali-Zitat nach: Antonio Vitali, Spielzeugdesigner Creator of Toys, Kunstverlag Weingarten 1994

tabouret * nussblätter dez 16
Für Ihr Heimbüro nur das Beste!

Die Zeiten sind so, geehrte Kunden, liebe Freunde von tabouret, dass über das Problem geistiger und körperlicher Trägheit gesprochen werden muss.
Unter Verdacht gekommen ist unsere sitzende Lebensweise. Eine fragwürdige Errungenschaft der Zivilisation, wenn nicht gar eine Degeneration. Sie ist verantwortlich für die träge Zirkulation des Sauerstoffs im Blut und damit im Gehirn und folglich für die Unterdrückung manches hellen Gedankens.
Darum: aufgewacht und aufgestanden, Beweglichkeit rundum, freies Durchatmen - und die Arbeit ein einem Stehpult fortgesetzt! (Denn Schreibende wissen es: Wer sitzend schafft, braucht zu seiner Anregung Koffein, Nikotin und Schlimmeres - wer stehend schreibt, bringt es ohne. Aufrechte Haltung, steile Formulierungen!)
Und hier das Möbel, das alles kann, was es können muss. Es erlaubt sitzend zu arbeiten oder stehend bei variabler Höhe und Neigung der Platte.

Tisch, Stehtisch, Zeichentisch von Fritschi swiss made. Variabel bei einfachster Handhabung: Hebel links für die Höhe, Hebel rechts für die Neigung der Platte. Die Masse: 77 x 111 cm. Der Hersteller: Albert Fritschi Apparatebau in Reichenbach (Berner Oberland). Bekannt auch für seine Tourenskibindungen, die allererste Wahl bei Armee-Beschaffungen.
No. 16076, CHF 900.-

tabouret * nussblätter nov 16
Ermüdet von der materiellen Welt? Postkonsumismus?

Ein Trendsetter aus London (Stephen Bayley) lässt uns wissen:
"Wir beginnen jetzt eine postindustrielle Periode, die nicht von Produkten definiert wird. Für mich war es immer sehr wichtig, gutes Design zu besitzen, es war Teil meines Selbstverständnisses. Heute gibt es nichts, was ich noch haben möchte. Ich möchte einfach nichts mehr kaufen".

Urgs!, wenn ein vormaliger Vorreiter des Konsumismus so etwas verkündet, dann ist das (ich spreche in eigener Sache) geradezu geschäftsschädigend. Doch das Trendsetter-Gewerbe lebt von Übertreibungen, der "Postkonsumismus" ist eine solche. Ein kompletter Übertritt aus der materiellen Welt in den Cyberspace ist nicht zu erwarten.
Sehen wir es entspannt: Solange wir Menschen unruhig sind, brauchen wir zum Ausruhen ein Ruhelager. So lange wir Essen zubereiten, brauchen wir ein Messer, das gut in der Hand liegt. So lange wir Babies haben, brauchen wir Tragetuch, Maxi-Cosi, Kinderwagen, Reisebett und ... (lange Liste). So lange wir Hosen tragen, brauchen wir Nähzeug, um abgesprungene Hosenknöpfe anzunähen.

À propos Nähzeug: die kultivierteste Lösung für Nähzeug und zugleich Strickarbeiten (Lismete) hat uns der dänische Designer Hans J. Wegner geliefert. Und, good news, das Möbel ist bei tabouret erhältlich.

Hans J. Wegner: Nähtisch, Entwurf 1959, Produktion Andreas Tuck Denmark, Mod. AT 33. Höhe 61, Breite 64 bis 117 (durch Hochklappen), Tiefe 58 cm. Schublade für Nähutensilien, darunter ein Weidenkörbchen für die Wolle. Wegners Handschrift zeigt sich besonders im reizvollen Materialkontrast: Teak aussen und Eiche innen. No. 15084, CHF 1000.-

tabouret * nussblätter aug 16
Auf dem Amazonenhügel Loheland - Kleine Sommerreise in ein deutsches Mittelgebirge
 
In alten Tagen, zur Zeit des Monte Verità und des Bauhauses, gab es in der Rhön eine lebensreformerische Gemeinschaft mit Namen Loheland. Ihre Besonderheit war, dass sie ausschliesslich aus Frauen bestand, weshalb das damalige Loheland auch ein "Amazonenstaat" genannt wurde. Nahrung bekam diese Zuordnung durch allerlei, die Männerwelt als allzu emanzipiert erscheinende Aktivitäten wie Ausdruckstanz, Speerwurf und die Zucht von respekteinflössenden Deutschen Doggen. Wie alle jene lebensreformerischen Kolonien hatte auch Loheland seine Zeit und löste sich in den politischen Stürmen des 20 Jahrhunderts auf.
 
Und heute? Besucher sind auf jenem Hügel in der Nähe  der Stadt Fulda willkommen und finden ein Bett in dem Tagungshotel „Wiesenhaus“, einem breit hingelagerten Bau. Der Gast erfährt von einigen aktuellen Bemühungen, die handwerkliche Tätigkeit der Loheländerinnen, die zum Beispiel die „Lohelandmöbel“ hervorgebracht hat, zu erforschen. Neben Möbeln schufen die Amazonen auch Keramiken und Flechtarbeiten, einige taten sich als Fotografinnen hervor (Bilder nachfolgend). Anders aber als etwa beim Bauhaus entstand hier keine kanonisierte Formensprache, nach welcher sich Lohelands Design zuverlässig zuordnen liesse. So hat auch die Bautätigkeit auf dem Hügel allerlei kuriose Bauformen hervorgebracht, es gibt "Zwergenhäuschen" neben hochfunktionalen Bauwerken.
Seine Lebensimpulse aber empfängt das unter Denkmalschutz gestellte Ensemble heute durch die Errichtung einer Rudolf-Steiner-Schule, wodurch ein dauernder Zufluss an Spiritualität gesichert ist.
Und das Fazit: a) Reisen bildet; b) es gibt immer noch etwas Neues zu entdecken in der Welt der Formen und der menschlichen Glücksssuche. Die Ferien sind bei tabouret nun vorüber. Treffen Sie uns ab dem 10. August wieder in unserer Schaffhauser Galerie und immer auf www.tabouret.ch.

tabouret * nussblätter jun 16
Werkgenossenschaft Wohnhilfe, Oberdorfstrasse 32, 8024 Zürich, Telefon 051 34 25 74
Zürich, im Juni 1956
An Frau Reni Trüdinger, Innenarchitektin
Sehr geehrte Frau Trüdinger
Wir wenden uns heute hoffnungsvoll an Sie mit einem Anliegen. In unserem Wohnhilfe-Sortiment fehlt ein Regal.
Ihre Ausstattung der Schweizer Botschaft in Tokyo hat weitherum grossen Beifall gefunden, womit Sie auch Ihren Lehrern an der Kunstgewerbeschule, Herrn Wilhelm Kienzle und Herrn Willy Guhl, Ehre gemacht haben. Darum möchten wir den Entwurfsauftrag für ein Wohnhilfe-Regal in Ihre Hände legen. Die Anforderungen sind die folgenden:
1) Das Regal soll ohne Wandmontage freistehend und in der Wohnung bewegbar sein.
2) Modularer Aufbau aus Systemelementen, wir denken an ein Stecksystem. Der Aufbau soll ohne Werkzeug möglich sein, dabei ist Stabilität selbstverständlich vorausgesetzt.
3) Bei transparenter Erscheinung, soll die Konstruktion spontan einleuchten und von unseren genossenschaftlich angeschlossenen Schreinerbetrieben ausführbar sein.
4) Wir wünschen eine kontrastreiche Farbgestaltung.
5) Kostengünstige Materialien. Wir möchten das Regal als "junges Möbel" der Wohnhilfe zu einem jedermann erschwinglichen Preis anbieten.
Wir würden uns freuen, sehr geehrte Frau Trüdinger, wenn Sie sich unser Anliegen zu eigen machen könnten. Gern erwarten wir Ihre Skizzen und hoffen auf ein Möbel, welches auch noch in 50, 60, oder 100 Jahren seine Liebhaber finden wird.
Erwartungsvoll grüsst
Werkgenossenschaft Wohnhilfe  *)
… und so kam es. 1956 entstand Reni Trüdingers fabelhaftes Büchergestell Typ II und wurde schon 1957 mit der Werkbund-Auszeichnung "Die gute Form" prämiert. Und, voilà!, 60 Jahre danach kann tabouret drei Aufbauvarianten des Regals (vintage) mit Stolz präsentieren.
*) um allfälligen Missverständnissen vorzubeugen: der Brief an Frau Trüdinger ist eine Fiktion aus dem tabouret fiction studio.

tabouret * nussblätter apr 16
April, April, … wie ich einmal auf einen schlechten Designscherz hereingefallen bin.

Es war elektrisierend, in einer Onlineauktion eine Messingleuchte mit dem Logo des Weimarer Bauhaus zu entdecken! (Bilder 1, 2) Als ich das aparte Stück dann mein eigen nennen durfte (billig war es nicht!), kamen leise Zweifel. Die prominente Darstellung des Logos (entworfen vom Bauhaus-Lehrer Oskar Schlemmer) wollte nicht recht zur Schlichtheit der Bauhaus-Entwürfe passen. Eine schliesslich beim Berliner Bauhaus-Archiv eingeholte Expertise liess dann den Traum zerplatzen. Man kannte dort seit langem derartige Fälschungen. Die Spuren wiesen auf eine Produktionsstätte in Ungarn hin. Es hat sich die Internet-Legende herausgebildet, diese Leuchten seien Entwürfe von Marcel Breuer, seinerseits Bauhaus-Lehrer und aus Ungarn stammend.
Mit diesen Stichworten finden sich im Netz tatsächlich abenteuerliche Leuchtenkreationen, offenbar aus gleicher Werkstatt. Beispielsweise jene mit dem eingravierten Logo "Exposition Internationale Paris 1925". Oder auch die Variante "Exposition Paris 1925 Marcel Breuer" (Bilder 3, 4). Es gab tatsächlich 1925 in Paris eine Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes.
Den Gipfel der Frivolität stellt nun allerdings eine Tischleuchte mit grünem Gussfuss dar (Bilder 5, 6, 7). Ihr Messingschirm zeigt als Gravur die olympischen Ringe und ein "Berlin 1936". Auf dem Sockel zusätzlich das Hakenkreuz und ein "Gott Mit Uns", den Wahlspruch auf den Koppelschlössern der deutschen Wehrmacht.
Weimar als Bauhaus-Geburtsstätte, Paris als Welthauptstadt der Künste, das Berlin der Jahre der Bücherverbrennungen — die betrügerischen Leuchtenschmiede und Graveure spielen geschickt mit unseren Blickachsen in die Historie.
Um eine Illusion ärmer und um eine Erfahrung reicher lasse ich nun weiter den Blick schweifen und werde Ihnen, geneigte Leserinnen und Leser, gern bald einmal wieder erfreuliche Entdeckungen präsentieren.
Werner Singer

tabouret * nussblätter jan 16  Gustav Spörris Keramik erlebt seit 3 Jahren einen Hype
Die erstaunliche Wiederauferstehung eines Vergessenen

"Original G. Spörri Schaffhausen", so waren einige ausdrucksstarke Keramiken signiert. Was steckt dahinter?, fragte sich der Keramik-Liebhaber Markus Strübin. Es war aber nur eine kleine Handvoll von Spörri-Liebhabern, die er ausfindig machen konnte. Der Befund war ernüchternd: Spörri lebte nur noch in der Erinnerung weniger Zeitgenossen, war aber in der Kunstwelt ein Vergessener.
Das sollte sich jedoch im Verlauf von wenigen Jahren ändern. Kunstexperten sagen, dass es praktisch nicht möglich ist, einen lange vergessenen Künstler wiederzubeleben. Das wurde hier widerlegt. Heute rangieren die keramischen Arbeiten Spörris im Rahmen der Angewandten Schweizer Kunst ganz oben. Wie war das möglich?
Ein Buch weckt die Kunstwelt auf
Im Februar 2013 wurde nach Zürich zu einer Buchvernissage eingeladen. Ein prächtiger, aufwendigst gestalteter Kunstband lag vor, Titel: Begegnungen mit Gustav Spörri 1902-1976. Dies war verbunden mit einer Galerieausstellung von Spörri-Arbeiten aus dem Besitz der im Buch abgebildeten Privatsammlungen. Das Buch zog eine lange Reihe von Buchbesprechungen und Würdigungen nach sich und gehört heute zur Standardausstattung Schweizer Keramikfreunde und Kunsthändler.
Schaffhausen besinnt sich auf den einheimischen Künstler
Im Jahr 2014 zeigte das Museum zu Allerheiligen Schaffhausen eine Ausstellung („geschaffen, gebraucht, gesammelt“) mit den Produkten der einstmaligen Tonwarenfabrik Ziegler, wo Spörri lange Jahre als Leiter der Kunstabteilung tätig war. Auch sein nachfolgendes Kunstschaffen in seinem Studio „Trubegüetli“ wurde mit herausragenden Ausstellungsstücken gewürdigt. Der Besucherandrang bei der Vernissage war so gross, dass neben dem Vortragssaal auch das Foyer bestuhlt werden musste.
Die Kunstwissenschaft verspricht, ihr Versäumnis aufzuholen
Ein Buch-Nachwort von Frau Dr. phil. Barbara von Orelli-Messerli gab die Richtung der kunstwissenschaftlichen Forschung an: „... der Studio-Keramik Spörris den ihr gebührenden Platz im keramischen Schaffen des 20. Jahrhunderts zuzuweisen“. Nun wurde Spörris Name auch in der digitalen Welt populär. Es entstand ein kenntnisreicher Wikipedia-Artikel. Das Schweizerische Institut für Kunstwissenschaften nahm Spörri in sein Online-Künstlerlexikon auf.
Ein Spörri-Kunstfund kommt an die Wand
Im Sommer 2014 erstrahlte das Winterhurer Restaurant National nach Renovierung in neuem Glanz. Dazu trug wesentlich bei eine Spörri-Wandkeramik („Ernte“), die nach einem vierzigjährigen Kellerasyl hier nun erstmals gezeigt und fest installiert wurde. Auf zwei mal zwei Metern präsentieren zwei spanische Damen in farbigen Gewändern und im Selbstbewusstein ihrer Schönheit ihre Feldfrüchte. In Winterthur täglich zu besichtigen! (Bindella-Restaurant National am Bahnhof)
Eine neue Sammlergeneration formiert sich
Konnte man bis 2013 die Spörri-Sammler an den Fingern einer Hand abzählen, so ist seither ein regelrechter Hype auf Spörris Studiokeramiken ausgebrochen. Nicht nur in der Schweiz sondern auch im Ausland werden diese nun von Liebhabern der angewandten Kunst hoch geschätzt und gelten als erfrischende Wiederentdeckung aus den Seventies. Wer aber ererbte Spörri-Keramiken sein Eigen nennt, darf sich über nun anständige Preise im Handel und auf Auktionen freuen. Tendenz steigend.
Weitere Informationen
Das Buch: Begegnungen mit Gustav Spörri, Keramiken, Zeichnungen, Fotos. 272 Seiten, über 400 Abb. CHF 150.-  Zu bestellen über die Website www.gustav-spoerri.ch
Galerie tabouret ist laufend bemüht, ein Angebot an Spörri-Arbeiten bereit zu halten.
http://www.tabouret.ch/4555/15521.html

tabouret * nussblätter dez 15  Lobrede auf den Ablagestuhl

Wohin gehen unsere Kleidern, die wir am Abend ablegen? Ich weiss es, Sie wissen es.
Einerseits sind wenig getragene Kleider nicht mehr frisch genug für den Kleiderschrank, andererseits noch nicht reif für den Wäschekorb. Wir haben es bei einer Weltbevölkerung von 7,3 Milliarden mit einem universellen Dilemma zu tun. Doch des Menschen Findigkeit hat eine Lösung von schlichter Schönheit hervorgebracht: den Ablagestuhl.
Der Ablagestuhl heisst Stuhl und ist ein Stuhl, aber die Sitzprobe muss er nicht bestehen. Er steht im Schlafzimmer und soll auf jeden Fall scharf aussehen. Seine Bestimmung ist es, unseren Kleidern ein Nachtasyl zu bieten und sie für den nächsten Gebrauch griffbereit zu präsentieren. Dies leistet er landauf landab und erntet den stillen Dank seiner Benutzer. Doch soll er hier endlich einmal aus dem Schatten einer Verlegenheitslösung heraustreten. So hat die Süddeutsche Zeitung in einem sogenannten Designheft (Nr. 39/2015 ) dem Thema Raum gegeben. Sie beschliesst ihren Beitrag mit den treffenden Worten:
"Im Gesamtkreislauf eines Haushalts ist für Anziehsachen, die weder an den Bügel noch in die Waschmaschine gehören, kein Platz. Und deswegen darf man die Bedeutung des Ablagestuhls nicht unterschätzen. Der Ablagestuhl sieht nach grösstmöglichem Chaos aus. In Wahrheit hält er die Ordnung aufrecht."
Jene vom Glück favorisierten Personen, die ein eigenes Ankleidezimmer besitzen, müssen sich von diesen Zeilen natürlich nicht angesprochen fühlen. Für alle anderen jedoch folgt hier eine Auswahl von tabouret-Stuhlmodellen, die den Anforderungen der Nacht bestens genügen werden.

tabouret * nussblätter nov 15

Neue Messe für Vintage-Design 7./8. Nov 2015 in Zürich-Oerlikon
12 gute Gründe, warum Sie die Neue Messe sofort in Ihre Agenda eintragen sollten ...
01) Design kann jeder. Nur Vintage-Design verkörpert das Echte und Ursprüngliche. Designaddicts pflegen Kennerschaft, Stilbewusstsein und historisches Wissen. 02) Im Unterschied zu Online-Käufen können Sie hier sehen, befühlen und "besitzen", was Sie kaufen. 03) Die Händler geben Ihnen Auskunft über die Vorgeschichte der Objekte, über stattgefunden Restaurierungen und begründen ihre Preisgestaltung. 04) Komfortable Anreise (Tram 10 oder 11, Haltestelle Leutschenbach). Eintritt gratis, Parkplätze gratis. 05) Barbetrieb für kleine Stärkungen (nehmen Sie einen Schluck auf einen guten Fund und gelungene Preisverhandlung). 06) Ihr Wohngehäuse ist voll ausgestattet? Wollen Sie behaupten, es sei keine Verbesserung möglich? 07) Finden Sie Ihren Lieblingshocker in der Sonder-Verkaufsaustellung "66 Hocker". 08) Finden Sie das einzigartige Geschenk für eine geschätzte Person, die schon alles hat. 09) Ein Lieferdienst für Möbel steht bereit. 10) Beliebter Familien-Sonntagsausflug. Geben Sie Ihrem Nachwuchs etwas Gutes auf die Augen. 11) Und, falls Sie keinen Rappen in der Tasche haben: nur schauen, die Messe ist auch ein Museum von modernem Interieur des 20. Jahrhunderts. 12) last not least: Galerie tabouret ist dabei!

tabouret * nussblätter jul 15    Kleine Einkaufshilfe für moderne Antiquitäten

Geehrte Kunden, liebe Freunde von tabouret
Das Geschäftsfeld der modernen Antiquitäten ähnelt einer Glückssuche mit herausragenden Glücksmomenten auf beiden Seiten, bei Käufer und Verkäufer. Letztere neigen darum zu enthusiasmierten Verkäuferphrasen, welche immer wieder einmal auf den nackten Boden der Realität heruntergeholt werden sollten. Lesen Sie in der Zeit sommerlicher Selbstbesinnung unsere Kleine Einkaufshilfe für moderne Antiquitäten
Sie lesen: ... zugeschrieben ...
Sie sollten wissen: das Objekt stammt definitiv nicht von der genannten Designerprominenz. Aber irgendein Anonymus hat das Objekt im Internet mit diesem in Verbindung gebracht und Hunderte digital naives haben das seither willig abgeschrieben.
Sie lesen: ... Spezialverkauf, SALE …
Sie sollten wissen: der Anbieter hat nun schon im dritten Monat mehr Kosten als Einnahmen, es wird finanziell eng. Er setzt seine Preise um 20 % höher, um sie dann werbewirksam um 50 % zu senken (Rabatt, Rabatt, das lass Dir sagen, wird immer vorher draufgeschlagen).
Sie lesen ... Provinienz gemäss Angaben des Vorbesitzers ...
Sie sollten wissen: die Herkunftsangaben beruhen auf einer Familienlegende. Familienlegenden aber unterliegen dem Drang zur Beschönigung und Selbstnobilitierung.
Sie lesen: ... Schweizer Qualitätsarbeit, swiss quality! ...
Sie sollten wissen: der Anbieter ist benebelt von Heimatstolz und hat seinen Blick noch kaum einmal über die Landesgrenzen gerichtet.
Sie lesen: ... hat in internationalen Auktionen Toppreise erzielt ...
Sie sollten wissen: der Anbieter bezweifelt, dass sich dieser Preis jemals wieder erzielen lässt. Denn sonst würde er das Objekt selbst in eine Auktion geben.
Sie lesen: ... schöne Patina ...
Sie sollten wissen: der Anbieter hatte keine Zeit oder Lust, das Objekt in einen appetitlichen Zustand zu bringen.
Sie lesen: ... super Zustand ...
Sie sollten wissen: diese Beschreibung ist noch bedenklicher als „schöne Patina“. Der Anbieter hat geputzt, geschliffen und neu lackiert, bis das Objekt makellos, aber tot war.
Es wird ... english spoken, deutsch nur holprig ...
Sie sollten wissen: der Anbieter schielt auf kaufkräftige Interessenten aus den USA oder Fernost, er hofft auf einen erfolgreichen „Kuturgüterexport“.

Diese kleine Einkaufshilfe ist sicher noch zu verbessern. tabouret nimmt gern Ihre Anregungen für eine erweiterte Ausgabe entgegen.

tabouret * nussblätter okt 14 Es gibt ein Leben vor dem Schaudepot!

Geehrte Kunden, liebe Freunde von tabouret
Im Zürcher Toni-Areal, dem neuen Sitz der Hochschule der Künste, hat das Schaudepot für Designobjekte eröffnet. Die grosse Design-Sammlung des Museums für Gestaltung kann nun unter kundiger Führung (zugleich Bewachung) besichtigt werden. Ein erster Augenschein zeigt Hochregale, angefüllt mit begehrenswerten Objekten. Hier hat über Jahrzehnte ein grosser Designstaubsauger das Beste aus Schweizer Produktion zusammengesaugt.
Doch so viel dicht gestellte Schönheit hat auch etwas Einschüchterndes - und Trauriges. Aus ehemaligen intimen Wohngenossen wurden Laufstegfiguren, aufgereiht, ausgerichtet und nummeriert. Und selbstverständlich gilt: Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten!
Doch es gibt ein Leben vor der Aufnahme in die Design-Gruft. Unser heutiges Angebot ist absolut museumswürdig und doch noch für ein besseres Leben bestimmt:
Seltener Stahlrohrstuhl aus der Hand des Basler Architekten und Architekturpublizisten Werner Blaser (geb. 1924). Der deutsche Stuhlhersteller Löffler hat jüngst eine Reedition lanciert.
tabouret proudly presents:
Werner Blaser: Stahlrohrstuhl, 4er Satz. Produktion Dietiker, Stein am Rhein, ab 1960. Verchromtes Stahlrohr (20 mm), Sitz und Rückenlehne mit Leder bezogen, Lederbezüge erneuert (dunkelbraun). Reedition: Mod. WB-9, Edition Löffler (loeffler.de). Dokumentiert in: Werner Blaser: Fügen und Verbinden, Birkhäuser 1992.
tabouret-No. 9061, Preis für den 4er-Satz: CHF 3200.-

tabouret * nussblätter jun 14 Pilgerfahrt zum Bauhaus in Dessau

Geehrte Kunden, liebe Freunde von tabouret
Kleine Ausflüge aus dem Geschäftsalltag müssen sein. Wir haben das historische Bauhaus in Dessau (Sachsen-Anhalt) besucht. 1926 nach den Plänen von Walter Gropius gebaut, ist es heute restauriert und ein wahrer Pilgerort der Moderne. Neuerdings sind auch die Villen der Bauhaus-Meister (Gropius, Mies van der Rohe, Moholy-Nagy, Feininger, Schlemmer u.a.) wieder hergestellt und zugänglich.
In einem der Zimmer des Atelierhauses mit seinen neckischen Balkons durften wir nächtigen (jeder darf, Preise moderat), was dem Besucher das bauhäuslerische Lebensgefühl sehr nahe bringt. Die Zimmer sind karg eingerichtet - Etagendusche - jedoch eine wahre Wohltat gegenüber dem heute üblichen Hotelzimmer-Chichi.
Im Werkstattgebäude, wo einst die unsterblichen Möbelklassiker von Marcel Breuer, Walter Gropius und Mies van der Rohe entstanden, verkauft man heute auf grosser Fläche deren Reeditionen und andere Bauhaus-Souvenirs.
tabouret will hier nicht nachstehen und bietet einen Nachbau des "Lattenstuhls" von Marcel Breuer an, gefertigt von einem einheimischen Schreiner in bester handwerklicher Manier. Für den Sitzkomfort wird keine Garantie übernommen - eine Skulptur mit historischem Flair ist er allemal.